Österreichs Immobilienmarkt 2024 - 2026

22.05.2026, 12:12
Drei Jahre nach dem Zinsschock und ein Jahr nach dem Auslaufen der KIM-Verordnung präsentiert sich der österreichische Wohnimmobilienmarkt 2026 zweigeteilt. Eine aktuelle Auswertung von Sprengnetter Austria mit rund 30.000 Einheiten zeigt Bewegungen zwischen +18,5 und –7,1 Prozent – innerhalb desselben Landes, desselben Zeitraums. Wer den Markt pauschal beurteilt, übersieht das Wesentliche.
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Österreichs Wohnimmobilienmarkt 2026 | Zwischen Verdichtung und Budgetdruck

Warum Tirol +18,5 % zulegt, Burgenland –7,1 % verliert – und der Quadratmeterpreis allein 2026 keine Geschichte mehr erzählt.


Drei Jahre nach dem Zinsschock und knapp ein Jahr nach dem Auslaufen der KIM-Verordnung präsentiert sich der österreichische Wohnimmobilienmarkt nicht als einheitlicher Block, sondern als Mosaik aus Bundesländer-, Segment- und Objektklasseneffekten. Die jüngste Auswertung des Bewertungsspezialisten Sprengnetter, basierend auf rund 30.000 Einheiten und Daten bis zum ersten Quartal 2026, macht das auf einen Blick sichtbar. Wer pauschal von „Erholung" oder „Krise" spricht, übersieht das Wesentliche.

Eigentumswohnungen: Bestand robust, Neubau verdichtet

Bei gebrauchten Eigentumswohnungen bleibt das Preisniveau in den meisten Bundesländern stabil bis steigend. Kärnten führt mit +8,2 % gegenüber 2024, gefolgt von Tirol (+5,2 %) und Oberösterreich (+4,6 %). Wien (+2,5 %) und die Steiermark (+2,2 %) wachsen moderat. Auf der anderen Seite stehen Burgenland (-4,4 %), Salzburg (-3,1 %) und Niederösterreich (-1,4 %).

Absolut bleibt Tirol mit 4.765 €/m² der teuerste Bestandsmarkt, knapp vor Salzburg (4.701 €/m²) und Wien (4.562 €/m²). Burgenland markiert mit 2.291 €/m² das untere Ende der Skala.

Im Neubausegment fällt vor allem ein Wert auf: Niederösterreich verzeichnet ein Plus von 18,1 % beim Quadratmeterpreis. Das klingt nach einem Boom, ist aber in Wahrheit ein klassischer Verdichtungseffekt: Wohnungen werden kleiner und kompakter, der Preis pro Quadratmeter steigt, das Gesamtbudget für die einzelne Einheit muss nicht gestiegen sein. Dieser Mechanismus zeigt sich auch in Tirol (+7,1 %), Oberösterreich und Wien (jeweils +6,3 %). Wien führt das absolute Preisniveau mit 6.556 €/m² an. Einzige Ausnahme im Neubau-Trend: Kärnten mit –2,4 %.

Einfamilienhäuser: Wo das Budget zur Grenze wird

Bei Einfamilienhäusern dreht sich das Bild – und genau das ist die finanzierungsökonomisch wichtigste Aussage der Studie. Der Markt für gebrauchte Einfamilienhäuser ist überwiegend seitwärts bis leicht rückläufig. Nur Oberösterreich legt mit +1,2 % zu. In Wien (–5,9 %) und Burgenland (-7,1 %) sind die Preise pro Quadratmeter klar gefallen.

Das ist kein Zufall: Einfamilienhäuser binden naturgemäß deutlich größere Gesamtbudgets als Wohnungen. In einer Phase, in der Hypothekarzinsen zwar nicht mehr am Höchststand, aber auch weit entfernt von der Nullzinsära der Vorjahre liegen, geraten genau diese Tickets unter Druck. Größere Häuser sind schwerer finanzierbar, die Zahl der Käuferinnen und Käufer mit ausreichendem Einkommens- und Eigenmittelpolster ist überschaubarer.

Im Neubau zeigt sich erneut ein Spitzenausreißer: Tirol springt um 18,5 % nach oben und erreicht im Median 6.205 €/m², Wien folgt mit 5.845 €/m². Wie bei den Wohnungen ist das in Tirol eine Mischung aus Lagequalität, kleineren Wohnflächen und höherem Premiumanteil – nicht ein flächendeckender Preisschub über alle Segmente hinweg. Die Steiermark dagegen verliert mit -6,6 % deutlich.

Der Marktkontext: Erholung, aber keine Euphorie

Diese Datenmuster werden erst im Makrokontext lesbar. Drei Faktoren spielen 2026 zusammen.

Erstens die Finanzierung. Die Europäische Zentralbank hat ihren Zinssenkungszyklus mit der Sitzung am 5. Februar 2026 vorerst gestoppt und die Pause am 19. März bestätigt. Der Hauptrefinanzierungssatz steht bei 2,15 %, der 3-Monats-Euribor bei rund 2,08 %. Variable Hypothekarkredite liegen aktuell bei 2,5 bis 3,5 %, zehnjährige Fixzinsbindungen bei 3,2 bis 4,0 % – günstiger als 2023/24, aber kein Schnäppchenniveau.

Zweitens die Nachfrage. Laut OeNB wurden 2025 rund 17 Milliarden Euro an neuen Wohnbaukrediten abgeschlossen – nach 10 Milliarden 2023 und 11 Milliarden 2024. Der Finanzierungsmarkt hat sich also klar erholt, ohne in eine Überhitzung zu kippen.

Drittens das Regelwerk. Mit dem Auslaufen der KIM-Verordnung per 30. Juni 2025 sind die starren Mindestquoten Geschichte. An ihre Stelle ist eine Leitlinie des Finanzmarktstabilitätsgremiums getreten: maximal 40 % Schuldendienstquote, höchstens 90 % Beleihungsquote. Banken dürfen flexibler entscheiden, die Risikoorientierung bleibt jedoch erhalten.

Und ein vierter Faktor schwebt über allem: Die Inflation lag in Österreich im März 2026 vorläufig wieder bei 3,2 % und damit deutlich über dem EZB-Ziel von 2 %. Der Spielraum für weitere Zinssenkungen ist damit zumindest kurzfristig begrenzt.

Was die Zahlen für Käufer, Verkäufer und Eigentümer bedeuten

Drei Schlussfolgerungen lassen sich aus den Daten ziehen.

Erstens: Der Preis pro Quadratmeter ist 2026 kein verlässlicher Stimmungsindikator mehr. Steigt er, kann das genauso gut Verdichtung – also kleinere Wohnflächen bei gleichbleibendem oder leicht erhöhtem Gesamtbudget – wie tatsächlichen Preisauftrieb bedeuten. Wer Lage und Objekt nicht spezifisch bewertet, zieht aus dem Quadratmeterpreis allein schnell die falschen Schlüsse.

Zweitens: Wohnungen schlagen Häuser – budgettechnisch. Das ist keine Frage des Geschmacks, sondern der Finanzierbarkeit. Solange das Zinsniveau bleibt, wo es ist, bleibt das Wohnungssegment für viele Haushalte die realistischere Eintrittskarte ins Eigentum. Das erklärt, warum gebrauchte Häuser in Wien und Burgenland deutlich nachgeben, während Bestandswohnungen in fast allen Bundesländern halten oder zulegen.

Drittens: Regionale Unterschiede werden zur Hauptstory. Der pauschale Blick auf „den" österreichischen Immobilienmarkt verdeckt mehr, als er zeigt. Die Spannweite zwischen Kärntens +8,2 % bei Bestandswohnungen und Burgenlands –7,1 % bei gebrauchten Häusern liegt bei mehr als 15 Prozentpunkten – innerhalb desselben Zeitraums und derselben Asset-Klasse Wohnimmobilie.

Ausblick

Für die zweite Jahreshälfte 2026 deuten die Daten auf eine Fortsetzung dieser Differenzierung hin. Solange Inflation und Zinsen sich nicht klar in eine Richtung bewegen, bleibt der Markt zweigeteilt: stabile bis steigende Preise dort, wo Lage, Energieeffizienz und Objektmix stimmen – Seitwärtsbewegung oder leichte Rückgänge dort, wo das Gesamtbudget zur Hürde wird.

Für alle Marktteilnehmer heißt das vor allem eines: Die Frage „Was ist meine Immobilie 2026 wirklich wert?" lässt sich weniger denn je mit einem überregionalen Durchschnitt beantworten. Sie braucht die Bewertung des konkreten Objekts in seiner konkreten Lage – und einen ehrlichen Blick auf die Finanzierungsseite. Denn der Markt belohnt 2026 nicht mehr das größte Haus, sondern das richtig zugeschnittene Objekt am richtigen Standort.


Datenbasis: Sprengnetter Austria, Immobilienforum 2026 (Median pro m² nach Bundesland, Marktwert/Wohnfläche, rund 30.000 Einheiten). Makroökonomische Einordnung: OeNB, FMA, EZB, Statistik Austria.